Jahresbericht Streuobstwiese

Am Freitag den 6. März 2020 wurde dem Obst und Gartenbau Verein (OGV) das Grundstück mit der Flurstücknummer 6750 zur Pflege übergeben.

Pflugfelder Vereine und öffentliche Einrichtungen wie z. B. die Kirche und Feuerwehr spendeten einen Baum. So stehen zehn Bäume und die Wiese unter unserer Obhut.

Das Pflanzen übernahm die Firma Gartenbaumschule Müller. Und das Angießen die Firma Klein. Die Arbeit trug Früchte und jeder Baum wuchs gut an.

Zur Pflege der Wiese machten wir uns Gedanken, um möglichst Energiearm zu arbeiten und Vielfalt zu erhalten und schaffen. Darum beschlossen wir mit der Sense zu Mähen. Zunächst führten wir mit alten Sensen und Wetzsteinen eine Mähprobe durch. Da das magere Ergebnis mit starkem Muskelkater und Rückenschmerzen einhergingen sahen wir uns nach Alternativen um. Sollten wir das Mähen mit der Sense noch einmal probieren, dann aber nur mit fachlicher Unterstützung einer Physiotherapeutin.

Mitte Mai stellte dann Christian Klein, ein ortsansässiger Schäfer, zur Unterstützung unserer Mäharbeiten, seine Schafe zur Abweidung auf die Wiese. Die Schafe arbeiteten motiviert und ohne Klagen über etwaige Rückenschmerzen.

Da die Schafe das Gras lediglich auszuzzeln und die Halme stehen lassen, griffen wir am 22.05.2020 zum ersten Mal auf einen geliehenen Balkenmäher zurück.

Dabei wurde, zwischen den Bäumen, ein Mittelstreifen stehengelassen um Insekten ein Winterquartier und mehrjährigen Pflanzen Zeit zum Aussamen zu lassen.

Zwei Tage später konnte der erste Tagfalter beobachtet werden. Ein kleiner Feuerfalter hatte sich auf der Schafgarbe niedergelassen.

keiner Feuerfalter (Lycaena phlaeas)

Am 3. Juni wurde im vorderen Bereich der Wiese ein Muster eingemäht, um Randzonen und Fluchtwege für Insekten zu schaffen, und die Bäume gut zugänglich zu machen.

Bis zum Ende der Saison wurden verschiedene Abschnitte unterschiedlich oft gemäht und beweidet, damit für das kommende Jahr der optimalen Mähzeitraum festgelegt werden kann. Da es leichter ist, das Heu zu den Schafen zu bringen als die Schafe zur Wiese, wurde angeregt Haizen aufzustellen.

Hierbei halfen uns die ältesten Vereinsmitglieder mit ihrer Erfahrung.

Anleitung zum Haizen Aufstellen

Zunächst sollte das gemähte Gras ein bis zwei Tage liegenbleiben, damit die Insektenlarven auf das frisch nachwachsende Grün überwechseln können. Ist das Gras ein wenig welk, kann es auch besser aufgeschichtet werden. Die Haizen werden dann von der Seite her zur Mitte hin mit dem Heu langsam und luftig aufgebaut.

3 Bilder

Wir erfuhren auch, dass das Heu von den Haizen bis zu 10% mehr Eiweiß enthält, als maschinell geschnittenes Heu. Grund ist, dass die kleinen Keimblätter und Sprossen nicht verloren gehen.

Bei der üblichen Heuernte wird das Schnittgut häufig gewendet. Die Pflanzenteile, die als erstes trocknen, gehen dabei mitsamt der wertvollen Substanzen die sie enthalten, in einer großen Staubwolken verloren.

Außerdem haben wir gelernt, dass eine Mistgabel vier Zinken und eine Heugabel nur drei Zinken hat.

fertige Haize

Am 20. August halfen uns Aleta Wörn und Matthias Krause von der Uni Hohenheim die Insekten und Pflanzen auf dem Wiesle zu bestimmen.

Die Ergebnisse waren erstaunlich. Es wurden über 50 krautige Pflanzen gefunden. Zum Teil wurden diese noch von den Römern eingeführt und als Nahrungsmittel genutzt. Da Gräser ohne Blüten schwer zu bestimmen sind, konnten nur wenige auf der Liste aufgeführt werden.

klick für gesamte Liste

Neben den Pflanzen wurden auch die tag- und nachtaktiven Insekten bestimmt. Die Tagfalter konnte auf der Wiese beobachtet und fotografiert werden. Das Bestimmen der Nachtfalter gestaltete sich etwas aufwändiger. Mit einem sogenannten Lichtfang wurden die Nachtfalter angelockt. Dabei wird eine spezielle Lampe aufgestellt die das Mondlicht imitiert. Um diese Lampe wird ein feiner Vorhangstoff in Form einer Röhre gespannt, auf den sich die Falter setzen können, dort können sie nun gut fotografiert werden. Um dies Durchzuführen benötigt man eine Sondergenehmigung des Regierungspräsidiums, die dem Verein über Stephan Hoppe vorliegt. Siehe Galerien der entdeckten Falter

Galerie der gesichteten Tagfalter in 2020

Galerie der gesichteten Nachtfalter in 2020

Bei unseren Aktivitäten erfuhren wir sehr viel positive Rückmeldungen von Spaziergängern. Ein besonders schöner Satz blieb in unseren Köpfen hängen:

„Wenn ich die Haizen hier so sehe, fühle ich mich wie im Urlaub“

Die Ziele für das Jahr 2021 sind noch mehr Wiesen in unserer unmittelbaren Umgebung naturnah gestalten zu können/dürfen. Auch sind Wiesenführungen geplant, und es soll eine Ausstellung über Verhältnisse und Zusammenhänge aus der Nahrungsmittelerzeugnis geben.

Falls wir mit unseren Aktivitäten Ihr Interesse geweckt haben oder Sie Interesse an einer Wiesle Führung haben, scheuen Sie sich nicht mit uns in Kontakt zu treten.

Lichtfangabende werden auf unserer Veranstaltungsrubrik veröffentlicht

Bericht: Stephan Hoppe; Aleta Wörn; Stefan Schürg

Nachtrag

im Januar 2021 haben wir die Baumwiese an der Landstraße zu Möglingen von der Stadt gepachtet. 15 Obstbäume wurden im Februar geschnitten. Auflage ist die Ausmagerung der Baumwiese, deshalb werden wir auch diese Jahr mit dem Balken mähen und Heizen aufstellen.

2 Gedanken zu „Jahresbericht Streuobstwiese“

  1. Den Verfassern dieses wunderschönen Newsletters und Rückschau danke ich. Es liest sich wunderbar. Dass wir solch Vielfalt an Flattermänner um uns haben, war mir nicht bewusst, obwohl ich mit sehr offenen Augen durch die Welt laufe.
    Vielen Dank dafür. Bei einer Wiesenführung wäre ich gerne mit dabei

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